Geschichte

Die Burschenschaft Ghibellinia zu Prag in Saarbrücken ist eine pflichtschlagende und farbentragende Studentenverbindung an der Universität des Saarlandes.


1. Geschichte


1.1 Gründungsjahre
Die Burschenschaft Ghibellinia wurde am 18.10.1880 auf Betreiber Reichenberger Abiturienten an der Karls-Universität in Prag gegründet. Sie nannten sich akademisch technische Burschenschaft, da sie Studenten der Universität und der Technischen Hochschule aufnahm. Mit dem Namen Ghibellinia und den Farben Schwarz-Rot-Gold bekannte sie sich bewusst zu einem Kaiserreich deutscher Nation.
 

1.2 Zwischen den Weltkriegen
Fast alle Ghibellinen zogen im 1. Weltkrieg ins Feld, 13 von Ihnen ließen ihr Leben. Viele Mitglieder verließen den Studienort Prag nach Gründung der Tschecho-Slowakischen Republik. 1919 gehörten die Ghibellinen als Angehörige der „Burschenschaften der Ostmark“ zu Gründungsmitgliedern der „Deutschen Burschenschaft“. Gemeinsam mit fünf anderen Burschenschaften gehörte die Ghibellinia damals zur „Roten Richtung“ innerhalb der DB.
Nach dem Einmarsch der Deutschen Truppen 1938 musste sich die Ghibellinia auf Druck des Nationalsozialisitischen Studentenbundes auflösen. Ein Teil der Mitglieder fand sich in der Kameradschaft „Peter Parler“ zusammen.

1.3 Nach dem Zweiten Weltkrieg
35 Ghibellinen ließen im Zweiten Weltkrieg ihr Leben, zudem wurden ausnahmslos alle aus den Sudetendeutschen Gebieten vertrieben. Ein Großteil von ihnen wurde in den späteren Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg sesshaft. Bereits kurz nach dem zweiten Weltkrieg machte sich mit Walter Ullrich ein prägender Ghibelline noch in Kriegsgefangenschaft daran, einen Suchdienst aufzubauen, den er nach seiner Entlassung mit Hilfe kirchlicher Verbände und dem sich wiedergründenden Bayerischen Roten Kreuz ausbaute. 1950 fanden die ersten Ghibellinentreffen in München statt. Unter Vorsitz von Dr. Theo Weidner konstituierte sich der AH-Verband der Burschenschaft „Ghibellinia zu Prag“ auf dem Haus der Münchner Burschenschaft Arminia neu.

1.4 Die Zeit in Saarbrücken

1959 ergaben sich Kontakte zu dem Saarbrücker Burschenschafter-Stammtisch der Walfische, einem Zusammenschluss von inaktiven Burschenschaften, die sich auf dem Haus der Saarbrücker Burschenschaft Germania trafen. Diese wandten sich an die Deutsche Burschenschaft mit dem Ziel, einen zweiten Bund in Saarbrücken zu konstituieren. Am 7.3.1959 wurden sieben Mitglieder von Dr. Hans Schober als Gründungsburschen der „Ghibellinia zu Prag in Saarbrücken“ vereidigt. Im Oktober des gleichen Jahres konnte die stattliche Villa auf dem Scheidter Schmittenberg bezogen werden, bis heute Heimat der Ghibellinia.

1.5 Freundschaftsverhältnisse

Die Ghibellinia gründete sich 1951 in München auf dem Haus der B! Arminia neu, mit der damals ein Patenschaftsverhältnis bestand. Dieses Verhältnis wurde später mit der heutigen Arminia-Rhenania in ein Freundschaftsverhältnis umgewandelt. Die Ghibellinia gehört seit 1979 dem Ostdeutschen Bund an, dem sie sich auf Grund ihres Naheverhältnisses zur Prager Burschenschaft Arminia zu Bochum anschloss.
1.6 Mitgliedschaft in Verbänden

Die Ghibellinia war Gründungsmitglied beim Vereinigungsprozeß zur Deutschen Burschenschaft. 1962 schloss sie sich der Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG) an, die damals für die Vereinigung der Burschenschaften in der BRD und der Republik Österreich stand.
1984 trat die Ghibellinia aus der BG, weil diese von ihren Mitgliedern einen Boykott der Europawahlen gefordert hatte. 1990 trat die Ghibellinia erneut in die BG ein, hatte 2002/2003 den Vorsitz inne. Im Juli 2008 entschloss sich der Generalconvent mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit zum Austritt aus der BG, weil sie wesentliche politische Ausrichtungen nicht mehr mittragen wollte.
Sie ist Gründungsmitglied der Initiative Burschenschaftliche Zukunft (IBZ) und hat die vorangegangene Stuttgarter Initiative (SI) mit unterstützt.
Am 15. Dezember 2012 entschied der Generalconvent mit einer Drei-Viertel-Mehrheit den Austritt aus der Deutschen Burschenschaft.

2. Öffentlichkeit und Kritik

Die Ghibellinia pflegte seit ihrer Wiedergründung in Saarbrücken ein gutes Verhältnis zur saarländischen Politik und zur Universität des Saarlandes. Sie veranstaltete mehr als 150 Burschenschaftliche Abende an denen überwiegend Vertreter des bürgerlichen Lagers, vereinzelt aber auch Vertreter aus dem linken und rechten Spektrum teilgenommen haben. Anlässlich ihrer Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen 2009 in Saarbrücken wurde die Ghibellinia vom Universitätspräsidenten Volker Linneweber empfangen, der die Schirmherrschaft übernommen hatte. Festredner war der ehemalige Ministerpräsident Reinhard Klimmt, der sich in einem Grußwort in der Festschrift als langjähriger Freund der Ghibellinia bezeichnete und der schon zu Studentenzeiten auf dem Haus in Scheidt verkehrte.
Ein Jahr später übernahm Ministerpräsident Peter Müller die Schirmherrschaft zum 130. Stiftungsfest, Universitätspräsident Linneweber hielt die Festrede.
Recherchen des linken Buchautors Wilfried Voigt zum Zusammenkommen der damals im Saarland regierenden „Jamaika-Koalition“ sorgten für eine kontroverse Diskussion in der Öffentlichkeit. Kritiker warfen ihr auf Grund einiger Referenten aus dem rechten Spektrum eine mangelnde Distanz zum Rechtsextremismus vor, andere monierten eine nicht aufgearbeitete Vergangenheit der politischen Rolle einiger Ghibellinen zur Prager Zeit.
Die Ghibellinia bezeichnete sich selbst in einer Presseaussendung als „liberal-konservative Studentenverbindung“ der Mitte.